Carbonatisierungsprozess im Beton

Technologien zur CO₂-Abscheidung und -Nutzung in modernen Industrieanlagen

Technologien zur CO₂-Abscheidung und -Nutzung (CCU) haben sich in den letzten zehn Jahren von Pilotprojekten zu industriellen Anwendungen im großen Maßstab entwickelt. Im Jahr 2026 stehen energieintensive Branchen wie Zement, Stahl, Chemie und Müllverbrennung unter wachsendem regulatorischem und wirtschaftlichem Druck, ihre direkten CO₂-Emissionen deutlich zu senken. Anstatt Kohlendioxid ausschließlich als Abfallprodukt zu behandeln, investieren Unternehmen in Systeme, die es direkt an der Quelle abscheiden und in verwertbare Produkte umwandeln. Dieser Wandel beeinflusst die Auslegung von Anlagen, Investitionsentscheidungen und langfristige Dekarbonisierungsstrategien in ganz Europa und darüber hinaus.

Wie CO₂-Abscheidung in Industrieanlagen funktioniert

In der industriellen Praxis beginnt die CO₂-Abscheidung an zentralen Emissionsquellen wie Drehöfen, Hochöfen oder Reformern. Abgase, die CO₂ enthalten, werden vor der Freisetzung in die Atmosphäre durch spezielle Abscheideeinheiten geleitet. Die im Jahr 2026 am weitesten verbreitete Methode ist die Post-Combustion-Abscheidung mit chemischen Lösungsmitteln, insbesondere auf Aminbasis. Diese Lösungsmittel binden selektiv CO₂, das anschließend durch Erhitzung wieder freigesetzt und in konzentrierter Form gesammelt wird.

Die Pre-Combustion-Abscheidung kommt vor allem bei der Wasserstoffproduktion und in bestimmten chemischen Prozessen zum Einsatz. Dabei werden fossile Brennstoffe zunächst in ein Synthesegas aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid umgewandelt. Das Kohlenmonoxid wird anschließend in CO₂ überführt, das sich vor der eigentlichen Verbrennung leichter abtrennen lässt. Dieses Verfahren ist zunehmend in Strategien zur Erzeugung von kohlenstoffarmem Wasserstoff im Vereinigten Königreich und in der EU integriert.

Ein weiterer technischer Ansatz ist die Oxyfuel-Verbrennung. Dabei wird der Brennstoff nicht mit Luft, sondern mit nahezu reinem Sauerstoff verbrannt. Das entstehende Abgas besteht hauptsächlich aus CO₂ und Wasserdampf. Nach der Kondensation bleibt ein relativ reiner CO₂-Strom zurück, der komprimiert und weiterverarbeitet werden kann. Trotz des höheren Energiebedarfs für die Sauerstofferzeugung gewinnt dieses Verfahren insbesondere in Demonstrationsprojekten der Zementindustrie an Bedeutung.

Energiebedarf und Effizienzfragen

Die CO₂-Abscheidung ist nicht energieneutral. Im Jahr 2026 benötigen typische lösungsmittelbasierte Systeme je nach Anlagenkonfiguration und Integrationsgrad zwischen 10 % und 25 % zusätzliche Energie. Dieser sogenannte Energieaufschlag wirkt sich auf die Gesamtwirkungsgrade und die Betriebskosten aus. Daher ist die Optimierung der Wärmerückgewinnung und der Prozessintegration entscheidend für die wirtschaftliche Umsetzbarkeit.

Fortschrittliche Lösungsmittel mit niedrigeren Regenerationstemperaturen werden eingesetzt, um den Dampfbedarf zu senken. Forschungseinrichtungen im Vereinigten Königreich und in Norwegen testen neue Absorptionsmittel und feste Sorbentien, die den Energieverbrauch im Vergleich zu Systemen der ersten Generation um bis zu 30 % reduzieren sollen. Zudem werden modulare Abscheideeinheiten entwickelt, um die Nachrüstung bestehender Anlagen zu erleichtern.

Digitale Überwachungssysteme spielen ebenfalls eine zentrale Rolle. Durch Echtzeit-Analysen lassen sich Umlaufmengen, Temperaturprofile und Druckbedingungen präzise steuern. Das verringert die Alterung von Lösungsmitteln, verlängert die Lebensdauer von Komponenten und reduziert Wartungskosten, wodurch die CO₂-Abscheidung auch für mittelgroße Industrieanlagen wirtschaftlich attraktiver wird.

CO₂-Nutzung: Emissionen als industrieller Rohstoff

Die Abscheidung von CO₂ ist nur ein Teil der Lösung. Zunehmend investieren Unternehmen in Nutzungswege, bei denen Kohlendioxid in marktfähige Produkte umgewandelt wird. Im Jahr 2026 gehört die Herstellung synthetischer Kraftstoffe aus abgeschiedenem CO₂ und grünem Wasserstoff zu den am schnellsten wachsenden Bereichen. Diese sogenannten E-Fuels werden im Luft- und Seeverkehr als emissionsärmere Alternativen erprobt.

Auch die Bauindustrie setzt auf Technologien zur Carbonatisierung. Abgeschiedenes CO₂ kann während des Aushärtens in Beton eingebracht werden, wo es mit Calciumverbindungen reagiert und stabile Carbonate bildet. Dadurch wird Kohlenstoff dauerhaft im Baustoff gebunden und zugleich die Druckfestigkeit verbessert. Mehrere europäische Betonhersteller betreiben bereits kommerzielle Anlagen, die direkt in ihre Produktionsprozesse integriert sind.

In der chemischen Industrie dient CO₂ als Ausgangsstoff für Methanol, Harnstoff und Polycarbonate. Durch den Ersatz fossiler Kohlenstoffquellen lassen sich die Lebenszyklusemissionen von Produkten senken. Auch wenn nicht alle Nutzungswege zu einer dauerhaften Speicherung führen, können sie die CO₂-Intensität industrieller Erzeugnisse erheblich reduzieren.

Grenzen und Lebenszyklusbetrachtung

Nicht jeder Nutzungsweg bietet denselben Klimanutzen. Werden CO₂-basierte Produkte später verbrannt, gelangt der gebundene Kohlenstoff wieder in die Atmosphäre. Daher sind Lebenszyklusanalysen im Jahr 2026 in vielen Ländern verpflichtend, wenn CCU-Projekte bewertet werden. Fördermittel und grüne Finanzierungen setzen zunehmend eine transparente CO₂-Bilanzierung voraus.

Dauerhafte Speicheroptionen wie die Mineralisierung in Baustoffen oder die Umwandlung in stabile Polymere gelten aus klimapolitischer Sicht als robuster. Kurzlebige Anwendungen verschieben Emissionen lediglich zeitlich. Für glaubwürdige Dekarbonisierungsstrategien ist es daher entscheidend, diese Unterschiede klar zu berücksichtigen.

Auch die Wirtschaftlichkeit variiert stark. Einige aus CO₂ hergestellte Chemikalien sind weiterhin teurer als konventionelle Alternativen, sofern sie nicht durch CO₂-Bepreisungssysteme unterstützt werden. Die Ausweitung des EU-Emissionshandelssystems und nationale CO₂-Preismechanismen verbessern zwar die Geschäftsmodelle, dennoch bleibt die Wettbewerbsfähigkeit von stabilen politischen Rahmenbedingungen abhängig.

Carbonatisierungsprozess im Beton

Großskalige Umsetzung und politische Rahmenbedingungen im Jahr 2026

Im Jahr 2026 entstehen in Europa mehrere Industriecluster mit gemeinsamer Infrastruktur für Transport und Speicherung von CO₂. Im Vereinigten Königreich entwickeln sich das East Coast Cluster und HyNet North West weiter in Richtung betriebsbereiter CO₂-Pipelines mit Anbindung an Offshore-Speicherstätten in der Nordsee. Durch diese Cluster-Modelle lassen sich Investitions- und Betriebskosten auf mehrere Standorte verteilen.

In Norwegen hat das Projekt Longship eine vollständige Wertschöpfungskette etabliert, die industrielle Abscheidungsstandorte mit unterseeischen Speicherformationen in salinen Aquiferen verbindet. Auf EU-Ebene werden grenzüberschreitende Lösungen für den CO₂-Transport per Schiff oder Pipeline diskutiert. Die Standardisierung technischer Spezifikationen gewinnt daher zunehmend an Bedeutung.

Staatliche Unterstützung bleibt ein entscheidender Faktor. Speziell angepasste Differenzverträge, Steueranreize und Investitionszuschüsse sind zentrale Instrumente, um die hohen Anfangsinvestitionen abzufedern. Ohne verlässliche langfristige Fördermechanismen könnten viele energieintensive Unternehmen die Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe pro Anlage kaum rechtfertigen.

Ausblick auf die industrielle Dekarbonisierung

CO₂-Abscheidung und -Nutzung ersetzen weder Energieeffizienzmaßnahmen noch die Elektrifizierung mit erneuerbaren Energien. Sie schließen jedoch eine wesentliche Lücke in sogenannten schwer vermeidbaren Sektoren. In der Zementproduktion entstehen beispielsweise prozessbedingte Emissionen, die sich nicht allein durch den Einsatz erneuerbarer Energien eliminieren lassen.

Technologische Innovationen senken schrittweise die Kosten. Feste Sorbentien, Membrantrennverfahren und elektrochemische Abscheidemethoden befinden sich im Übergang von der Forschung zur kommerziellen Demonstration. Sollten die erwarteten Leistungsdaten erreicht werden, könnten Investitions- und Betriebskosten in den frühen 2030er-Jahren deutlich sinken.

Für Industrieunternehmen stellt sich im Jahr 2026 nicht mehr die Frage, ob CO₂-Management erforderlich sein wird, sondern wie schnell es in bestehende und neue Anlagen integriert werden kann. Produktionsstandorte, die heute gebaut oder modernisiert werden, müssen langfristig mit verschärften Klimazielen kompatibel sein. In diesem Kontext entwickeln sich Technologien zur CO₂-Abscheidung und -Nutzung zu einem festen Bestandteil moderner Industrieplanung.